Deusches Höhlenmuseum Iserlohn
Das Deutsche Höhlenmuseum
Ein Rundgang durch das Höhlenmuseum empfiehlt sich sowohl vor als auch auch nach dem Besuch der Dechenhöhle. Rund um das Thema "Höhle" gibt es viele spannende Informationen. Für den Museumsrundgang sollten mindestens 30 min eingeplant werden.

Grundriss der Dauerausstellung mit Rundgang


Die Karstlandschaft
Höhlenwelten
Der erste Raum des Museums befasst sich allgemein mit dem Thema "Höhlen". Dazu gehört zum Beispiel, was man überhaupt unter einer Höhle versteht, wie sie entstehen und wo man sie finden kann.
Die meisten Höhlen in Deutschland liegen im Kalkstein und entstehen durch die Lösungkraft des Wassers. Dabei sind sie nur eine von vielen Erscheinungsformen in der sogenannten Karstlandschaft, die hier modellhaft erklärt wird.
Wie ausgedehnt Höhlensysteme werden und welche Raumdimensionen dabei entstehen können, zeigt eine Fotowand mit den (derzeitigen) Höhlenrekorden. Die tiefste Höhle der Welt ist schon auf über 2100 Meter Tiefe und das längste Höhlensystem auf über 580 Kilometer Gesamtlänge erforscht worden!
Eine Karte von Deutschland veranschaulicht die Karstgebiete, in denen wir bei uns Höhlen finden können.
Die meisten Karstgebiete im Sauerland bestehen aus devonischem Massenkalk. Ein größerer verkarsteter Block ist hier ausgestellt, dem man ansieht, wie das Grundwasser ihn "zerfressen" hat. Weitere kleinere Massenkalkstücke befinden sich in einer Vitrine mit Versteinerungen (Fossilien) von Schwämmen, Korallen und andere Riffbewohnern, die vor ca. 380 Mio. Jahren in einem tropisch-warmen Meer kalkige Ablagerungen von teilweise mehr als tausend Meter Mächtigkeit aufgebaut haben.

Das Dinosaurier-Panorama
Archive der Erdgeschichte
Der zweite Raum des Museums beschäftigt sich mit der geologischen Entwicklung des Kalksteins. Eine Grafik veranschaulicht diesen komplexen Prozess zur Entstehung der heutigen Landschaft.
Im Karbon wurden durch Auffaltung auch die Kalksteinschichten aus dem Meer emporgehoben und unterlagen später der auflösenden Einwirkung durch das kohlensäurehaltige Regen- und Grundwasser, das entlang tektonischer Risse und Schichtfugen in das Kalkgestein eindrang. So entstanden schon vor vielen Jahrmillionen Höhlen in dieser Region. Im Laufe der Zeit wurden diese entweder zerstört oder mit verschiedensten Ablagerungen wieder komplett verfüllt. Solche alten Ablagerungen sind für die Wissenschaft sehr wertvoll, denn in ihnen finden sich Überreste von Tieren und Pflanzen, die an der Erdoberfläche bereits zerstört worden sind z. B. von Dinosauriern!
Zwei lebengroße Dinosaurier stehen im Mittelpunkt des zweiten Raumes. Diese Dinosaurier (z.B. den Iguanodon) hat es im Sauerland tatsächlich gegeben, wie die in den Vitrinen ausgestellten Funde aus alten Höhlenfüllungen belegen.
In einem Steinbruch bei Wülfrath wurde eine Höhlenfüllung aus der Unterkreide-Zeit entdeckt, die zwar keine Dinosaurierknochen lieferte, aber Holzkohle enthält, die viel über die Pflanzenwelt der Dinosaurier-Zeit verrät. Ein Original-Stück dieser Höhlenfüllung ist ebenfalls ausgestellt.
Von der Kreidezeit geht es weiter bis in das Eiszeitalter. Anhand einer Klimakurve der letzten 800.000 Jahre kann jedermann verfolgen, wie oft sich die Lebensbedingungen auf unserem Planeten verändert haben. In diesem Zeitraum entstanden wohl die meisten Höhlen im Sauerland, insbesondere im Bereich der Dechenhöhle.
Eine Grafik und ein Modell verdeutlichen die in drei Phasen gegliederte eiszeitliche Höhlenentstehung im Bereich der Dechenhöhle und der darunterliegenden Knitterhöhle, durch die heute ein Höhlenbach fließt. Auf dem aktuellen Höhlenplan kann man hier auch den Führungsweg durch die Dechenhöhle verfolgen, und jene Teile der Knitterhöhle sehen, die nur Höhlenforschern zugänglich sind.
Eiszeittiere
Im Mittelpunkt des großen Saales stehen die Eiszeittiere, insbesondere der Höhlenbär. In vielen Höhlen finden sich Reste von eiszeitlichen Großsäugern, deren Knochen auf verschiedenen Wegen von der Erdoberfläche in die Unterwelt gelangt sind. Nur wenige Tiere wagten sich in die Dunkelheit.
Von außen gelangten oft Geröll, Lehm und Knochen in die Höhlen. Dadurch wurden diese immer mehr verfüllt, bis sie im Extremfall ganz verschüttet waren. Dabei wurden auch Knochen und Tropfsteine im Höhleninneren immer wieder mitgerissen und erneut abgelagert.
Oft kann eine Ausgrabung, wie die in der Dechenhöhle viel über die Geschichte der Höhle und der Landschaft erzählen.
Ein Originalausschnitt des Höhlenbodens der Dechenhöhle wurde durch ein spezielles Verfahren gehärtet und hängt an der Wand des Saales. Mit geschultem Blick kann man zwischen den Steinen zahlreiche Knochen- oder Zahnstücke erkennen. Diese Knochen stammen von eiszeitlichen Großsäugetieren. Manche lebten hier als es kalt war, wie z. B. das Mammut, andere als es in den Zwischeneiszeiten wärmer war, wie der Waldelefant.

Mammutschädel und Knochen von Eiszeittieren

Waldnashorn-Schädel
Der 1993 in einer kleinen Nebenhöhle der Dechenhöhle aufgefundene Schädel eines wärmeliebenden Waldnashorns aus einer Zwischeneiszeit ist für Nordwestdeutschland einmalig und bildet seit 1995 eine Attraktion des Museums.

Die Höhlenbärin mit Jungtier in der Mitte des Saals
Die meisten Knochen aus den Höhlen Europas stammen vom Höhlenbären. Diese sind zum Winterschlaf und Sterben auch tiefer in die dunklen Höhlen hineingegangen. Bei der Ausgrabung in der Königshalle der Dechenhöhle wurden auf wenigen Quadratmetern über 2000 Knochen und Zähne gefunden.
Als Besonderheit des Museums stehen hier ein Höhlenbärenskelett sowie die einzigartige lebensechte Dermoplastik einer Höhlenbärin mit ihrem Jungtier. Eine weitere Besonderheit stellt das Skelett eines neugeborenen Höhlenbären dar, welches im Jahr 2000 bei Ausgrabungen in der Dechenhöhle gefunden wurde. In Deutschland wurden bislang nur zwei Exemplare gefunden, zum einen da die kleinen Knochen leicht zerstört werden, aber auch weil man bei früheren Ausgrabungskampagnen allgemein nicht so sehr auf kleine Knochenstücke geachtet hat. Das Exemplar aus der Dechenhöhle ist schon über 212.000 Jahre alt!
Der große Höhlenbär hatte sicherlich nur wenige Feinde. Einer war der Höhlenlöwe, der hier ebenfalls als Rekonstruktion steht. Imposant ist für die meisten Besucher schon seine Größe im Vergleich zu den heutigen Löwen. Man geht davon aus, dass die männlichen Höhlenlöwen keine Mähne hatten. Knochenfunde aus der Dechenhöhle und der benachbarten Kreuzhöhle belegen, dass die Höhlenlöwen auch hier im Sauerland lebten.

Skelett eines
Höhlenbären-Neugeborenen

Adresse
Dechenhöhle 5
58644 Iserlohn
Seit über 150 Jahren haben wir fast 13 Millionen Menschen die unterirdische Zauberwelt des Sauerlandes näher gebracht.
